Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Auf dieser Seite versuche ich, möglichst verständlich den Bandscheibenvorfall zu erklären. Es handelt sich hierbei um keine medizinische Erklärung! Die Erklärung soll Menschen, die unter einem Bandscheibenvorfall leiden oder vermuten einen zu haben, möglichst einfach und knapp verständlich machen, was dieser Vorfall eigentlich bedeutet.

Doch bevor der eigentliche Bandscheibenvorfall erklärt wird, ist etwas Basis-Wissen zum Aufbau der Wirbelsäule nötig.

Einführung: Der Aufbau der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule stellt die Achse des menschlichen Körpers dar, sozusagen die knöcherne Mitte, welche verschiedene Teile des Skeletts miteinander verbindet. Ihr kommen wichtige Aufgaben zu: Als Lastträger von Kopf, Hals, Rumpf und Armen erfüllt sie eine Haltefunktion. Zudem ist es dank ihr möglich, den Körper in alle Richtungen zu bewegen.

Die Wirbelsäule wird aufgrund ihrer Form auch als Doppel-S bezeichnet, da sie einem übereinanderstehenden doppelten S gebildet wird. Der Hals- sowie Lendenbereich sind nach vorne gewölbt (Lordose), der Brust- sowie Kreuz-Steißbeinbereich nach hinten (Kyphose). Diese Form dient dazu, die beim aufrechten Gang auftretenden Erschütterungen möglichst gering zu halten und zu verteilen. Dies dient u.a. dem Schutz des empfindlichen Gehirns.

Die Wirbelsäule besteht aus verschiedenen Teilen. Sie wird aus insgesamt 32 bis 35 Wirbelkörpern (Vertebra), 23 Bandscheiben (Disci intervertebrales) und zahlreichen Bändern (Ligamenta) gebildet. Es erfolgt eine Gliederung der Wirbelsäule in die 4 Abschnitte Hals-, Brust-, Lenden- und Sakralwirbelsäule, wovon letztere sich noch in Kreuz- und Steißbein gliedert, mit verschiedener Anzahl an Wirbeln:

Wirbelsäulenabschnitt

Wirbelanzahl

Abkürzung

Halswirbelsäule (HWS) – Halslordose

7

C1 bis C7

Brustwirbelsäule (BWS) – Brustkyphose

12

Th1 bis Th12

Lendenwirbelsäule (LWS) – Lendenlordose

5

L1 bis L5

Sakralwirbelsäule – Sakralkyphose
Kreuzbein (Os sacrum)

5

S1 bis S5

Steißbein (Os coccygris)

3 bis 6

keine

 

Von den Wirbelkörpern sind die 24 Wirbelkörper der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule nicht miteinander verwachsen, sie werden auch als freie Wirbel bezeichnet. Sie werden durch zahlreiche Bänder zusammengehalten. Das ermöglicht eine hohe Beweglichkeit. Die Wirbel der Sakralwirbelsäule dagegen sind miteinander verschmolzen, wodurch sie nicht wie die anderen Wirbel bewegt werden können und starr sind.

Die Bandscheibe & der Vorfall – was ist eigentlich eine Bandscheibe?

Wie bereits beschrieben ist die Wirbelsäule aus Wirbelkörpern, Bandscheiben und Bändern aufgebaut.

Die Wirbelkörper & ihr Aufbau

Die Wirbel (Vertebra) stellen feste Knochen dar, welche nach einem ähnlichen Grundschema aufgebaut sind. Die Variation der Grundform ist je nach Funktion des jeweiligen Abschnitts der Wirbelsäule unterschiedlich. Aufgrund der zunehmenden Gewichtsbelastung werden die Wirbel von oben nach unten größer. Jeder Wirbel, abgesehen vom ersten und zweiten Halswirbel, enthält folgendes Grundschema:

  • Wirbelkörper mit Grund- und Deckenplatten (Corpus vertebrae)
  • Wirbelbogen (Arcus vertebae) mit Gelbem Band (Ligamentum flavum)
  • Dornfortsatz (Processus spinosus)
  • Zwei Querfortsätze (Processi transversi bzw. Processi costales)
  • Vier Gelenkfortsätze (Processi articulares)

Zwischen den Wirbelkörpern befinden sich die Bandscheiben.

Die Bandscheiben

Neben den Wirbelkörpern enthält die menschliche Wirbelsäule insgesamt 23 Bandscheiben, welche die Funktion eines Stoßdämpfers übernehmen. Sie stellen die flexible Verbindung der Wirbelkörper dar und ermöglichen so die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Die Bandscheiben sind mit den Deckenplatten sowie Rand der Wirbelkörper verwachsen. Nur zwischen Kopf, erstem und zweiten Halswirbel sind keine Bandscheiben zu finden.

Eine Bandscheibe besteht aus einem äußeren Faserring (Anulus fibrosus) und einem innen liegendem Gallertkern (Nucleus pulposus). Der Faserring stellt ein derbes Gewebe aus Faserknorpeln dar. Der Kern ist ein eher zellarmes Gewebe mit hohem Wasserbindungsvermögen.

Die Bandscheiben schaffen die Beweglichkeit der Wirbelsäule, sie ermöglichen eine seitliche sowie rotierende Bewegung der Wirbel zueinander. Eine Begrenzung dieser erfolgt durch den Faserring sowie verschiedene Bänder. Neben der Bewegungsfunktion besteht die wichtigste Aufgabe der Bandscheiben in der Pufferfunktion. Durch sie wird der auf der Wirbelsäule lastende Druck gleichmäßig auf die Decken- und Bodenplatten der entsprechenden Wirbelkörper verteilt.

Dafür ist vor allem der Gallertkern verantwortlich. Er besteht zu 80 bis 85 aus Wasser und bildet damit das Wasserkissen zwischen den Wirbeln. Unter Belastung tritt ein Flüssigkeitsverlust ein und die Bandscheibe wird dünner. Bei einer Entlastung werden Wasser und neue Nährstoffe aufgenommen und die Bandscheibe wird wieder dicker. Im Tagesverlauf schrumpft der Mensch etwa 1,5 bis 2 cm aufgrund des Wasserverlustes der Bandscheiben, in der Nacht wächst er durch ihre Ausdehnung wieder.

Mit zunehmenden Alter kann sich die Ernährung der Bandscheiben verschlechtern, wodurch sie verschleißen.

Wann redet man von einem Bandscheibenvorfall?

Mit all dem Vorwissen, ist ein Bandscheibenvorfall nun eigentlich relativ schnell erklärt:

Ein Bandscheibenvorfall bezeichnet das Verrutschen des Gallertkerns in den äußeren Faserring. Bekommt der Ring zudem kleine Risse, kann sich der Gallertkern nach außen wölben und austreten, wodurch er auf die am Rückenmark entspringenden Nerven (Spinalnerven) drückt. Bei einem weiterführenden Fall des Bandscheibenvorfalls können sich Teile des Kerns ablösen und in den Wirbelkanal rutschen.
Die Ursachen für einen Bandscheibenvorfall sind vielfältig.

Er tritt häufig mit zunehmendem Alter auf, da der Wassergehalt in der Bandscheibe und damit verbunden ihre Flexibilität abnimmt. Auch andauernde Fehlbelastungen (Ebenso können andauernde Fehlbelastungen) können die Bandscheiben schädigen. Die häufigsten Ursachen sind Fehlhaltungen, falsches Heben und Tragen schwerer Lasten. Zudem können Übergewicht, mangelnde Bewegung und ständiges Sitzen Bandscheibenvorfälle begünstigen.

Bandscheibenvorfälle können in verschiedenen Abschnitten der Wirbelsäule auftreten.
Die meisten Bandscheibenvorfälle bleiben unbemerkt, erst bei der Auslösung starker Schmerzen und weiterer Beschwerden wie z.B. Lähmungen wird er diagnostiziert. Der Großteil der Erkrankten liegt in der Altersspanne zwischen 30 und 50 Jahren

Welche Arten des Bandscheibenvorfalls gibt es?

Man kann verschiedene Arten von Bandscheibenvorfällen unterscheiden.

  • zum einen danach, in welchen Bereich der Vorfall auftritt
  • zum anderen nach dem Schweregrad

Einteilung nach der Art des Auftretens:

  • Banscheibenvorfall in der Halswirbelsäule (Bandscheibenvorfall HWS): Diese Form wird auch als zervikaler Bandscheibenvorfall bezeichnet und tritt eher selten auf. Meist ist er bei älteren Menschen aufgrund altersbedingter Abnutzungserscheinungen zu finden. Er kann aber auch aufgrund eines Bagatelltraumatas (z.B. eine abrupte Drehbewegung des Kopfes) bei jüngeren Menschen auftreten.
  • Bandscheibenvorfall in der Brustwirbelsäule (Bandscheibenvorfall BWS): Diese Form wird auch als thorakaler Bandscheibenvorfall bezeichnet und tritt sehr selten auf.
  • Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (Bandscheiben LWS): Diese Form des Bandscheibenvorfalls tritt am häufigsten auf. Er ist meist im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule zu finden, da hier das Körpergewicht einen hohen Druck auf die Wirbelkörper und Bandscheiben ausübt.

Bandscheibenvorfall Formen – Einteilung nach Schweregrad

  • Vorwölbung: Bei dieser Form wölbt sich der Faserring der Bandscheibe vor und drückt damit auf den Spinalkanal oder die Spinalnerven. Dies ist auf Risse im Faserring zurückzuführen. Allerdings befindet sich der Gallertkern noch innerhalb des Ringes. Diese Form wird auch als Protrusion oder Vortreibung bezeichnet.
  • Vorfall: Bei dieser Form tritt bereits der Gallertkern aus dem Faserring aus. Ursache ist hierbei meist auch, dass nicht nur die Bandscheibe an sich, sondern auch das hintere Längsband geschwächt ist. Durch den ausgetretenen Gallertkern wird starker Druck auf den Spinalkanal oder die Spinalnerven ausgeübt. Es kann auch zum Einklemmen einzelner Nerven kommen.
  • Ablösung: Die schwerste Form des Bandscheibenvorfalls wird als Ablösung bezeichnet. Hierbei tritt ein Ablösen einzelner Teile vom Gallertkern auf, welche nun keine Verbindung mehr zur Bandscheibe aufweisen und damit aus ihr austreten. Diese Form wird auch als Sequestration bezeichnet.

Die verschiedenen Formen von Bandscheibenvorfällen treten mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit und bei anderen Altersgruppen auf.


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Ein Kommentar “Was ist ein Bandscheibenvorfall?

  1. Muss sagen, dass so ein Bandscheibenwürfel wirklich effektiv ist. Er bewirkt sicherlich auch keine Wunder, aber wenn man in dieser Lage liegt, werden die Bandscheiben spürbar entlastet – das fühlt sich wirklich sehr schön und vor allem schmerzfrei an. Selbst mein Mann (kein Bandscheibenvorfall) emfpindet den Bandscheibenwürfel als sehr angenehm, so dass wir abendlich im Bett öfter Diskussionen haben, wer ihn denn nun zuerst benutzen darf 😉
    Eine Ergänzung noch: Von aufblasebaren Würfel würde ich abraten. Die verlieren alle paar Tage deutlich an Luft, so dass man immer wieder nachpumpen muss. Das nervt auf Dauer wirklich.
    Gruß, Sabine D.

  2. Pingback: Hilfe bei Schmerzen beim Bandscheibenvorfall | Bandscheibenvorfall Infos

  3. Der Bandscheibenwürfel ist für mich wirlich gold wert. Wenn es wieder schmerz, packe ich die Beine auf den Würfel und in dieser Lage bin ich schmerzfreie. Wenn ich 20 Minuten in der Stufenlage gelgen habe, geht es danach meistens auch wieder besser.

    Etwas viel Platz nimmt so ein Würfel jedoch weg. Es gibt auch aufblasbare Varianten, doch eine solche musste ich wieder zurückschicken. Da ging rech schnell die Luft raus.

    Gute Besserung an alle! Immer positiv denken!
    Herzliche Grüße, Silke

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