Muskelrelaxantien

Bei Muskelrelaxantien handelt es sich um Medikamente, die eingesetzt werden, um die Skelettmuskulatur vorrübergehend zu entspannen. Diese Arzneimittel sind auch unter folgenden Namen bekannt:

  • Muskelrelaxanzien
  • Muskelrelaxantia
  • Myotonolytika

Abhängig davon, wie die gewünschte Muskelentspannung herbeigeführt wird, wird zwischen verschiedenen Arten von Muskelrelaxantien unterschieden. Periphere Muskelrelaxantien setzen direkt an der motorischen Endplatte an, die zu dem jeweiligen Muskel gehört. Zentrale Muskelrelaxantien wirken sich hingegen auf das zentrale Nervensystem aus, um so die angestrebte Muskelentspannung herbeizuführen.

Nähere Erklärungen zur Wirkungsweise von peripheren Muskelrelaxantien

Wenn periphere Muskelrelaxantien zum Einsatz kommen, blockieren diese Arzneimittel die Reizübertragung im Bereich der Endplatte. Der Muskel wird kurzzeitig gelähmt, damit es zu der angestrebten Entspannung kommen kann. Die Wirkdauer diese gewollten Lähmung kann über die Dosierung bestimmt werden. Zudem gibt es Arzneimittel, die als Antagonisten fungieren. Sie sind als eine Art Gegenmittel zu verstehen. Werden dem Patienten diese Mittel verabreicht, so heben diese die gewollte Muskellähmung zu Entspannungszwecken auf.

Mögliche Einsatzzwecke für Muskelrelaxantien

Periphere Muskelrelaxantien kommen zum Beispiel im Rahmen von diversen operativen Eingriffen zum Einsatz, damit der Patient während der OP nicht gänzlich verkrampft, was verschiedene Operationen unmöglich machen wurde. Bei verschiedenen Operationen des Bauchraums sowie Brustkorbs sind diese Arzneimittel zum Beispiel im Einsatz, um für die nötigen Sicht- und somit auch für adäquate Operationsbedingungen zu sorgen.

Würden Muskelrelaxantien bei einer Bauch-OP nicht zum Einsatz kommen, so ließe sich der Bauchraum aufgrund der Muskelspannung beispielsweise nicht genügend aufblasen. Dies könnte wiederum bedeuten, dass die Ärzte nicht ausreichend gut auf die Strukturen und Organe im Bauchraum zugreifen können, die zu operieren sind. Auch in der Intensivpflege sind Muskelrelaxantien von Bedeutung. Patienten können so zum Beispiel leichter intubiert werden, wobei das Verletzungsrisiko bei einer Intubation dank der Verwendung von Muskelrelaxantien abnimmt.

Wenn es um lokale Muskelverspannungen geht, werden meist zentrale Muskelrelaxantien verwendet. Auch bei einem Bandscheibenvorfall sind Muskelrelaxantien von Bedeutung. Schließlich nehmen Bandscheibenvorfallpatienten häufig eine Schonhaltung ein. Diese Schonhaltung entlastet zwar den durch den Bandscheibenvorfall komprimierten Nerv und führt somit tatsächlich zu einer Schmerzlinderung. Allerdings führt diese meist zur Seite gebeugte Schonhaltung gleichzeitig zu Muskelverkrampfungen in verschiedenen Körperregionen. Vor allem die Hüft- und Beinmuskulatur verkrampfen sich, da sie im Sinne der Linderung der Rückenschmerzen in diese physiologisch ungünstige, gebeugte Position gebracht werden.

Die Wirkdauer der verschiedenen Muskelrelaxantien gestaltet sich ganz unterschiedlich. Einige Muskelrelaxantien wirken nur ein paar Minuten, während die Wirkdauer bei anderen Arzneimitteln dieser Art Stunden beträgt. Generell werden Muskelrelaxantien, die über eine extrem lange Wirkdauer verfügen, nur selten eingesetzt.

Mögliche Nebenwirkungen von Muskelrelaxantien

Auch wenn Muskelrelaxantien eine effektive Muskelentspannung herbeiführen können, gehen diese Medikamente mit mehr oder minder schweren Nebenwirkungen einher. Die Apnoe stellt eine gemeinsame Nebenwirkung der meisten Medikamente dieses Typs dar. Dabei handelt es sich um eine schlafbezogene Atemstörung, die sich zum Beispiel in Form von extremem Schnarchen bemerkbar machen kann. Auch nächtliche Atempausen sind möglich. Folgende Nebenwirkungen treten zwar nicht bei allen Muskelrelaxantien auf, können jedoch umso verheerender sein:

  • Rhythmusstörungen des Herzens
  • Maligne Hyperthermie, die zum Tod führen kann
  • Hyperkaliämie (kann im Bereich des Herzens und der Nieren zu lebensgefährlichen Komplikationen führen)

Während Müdigkeit und ein Gefühl der Benommenheit bei der Einnahme Muskelrelaxantien ebenfalls zum Problem werden können, gibt es einige lebensbedrohliche Nebenwirkungen, die mit diesen Medikamenten im Zusammenhang stehen. Zudem geht ein vergleichsweise hohes Suchtpotenzial von einigen Muskelrelaxantien aus.

Eine Einnahmedauer von mehr als zwei Wochen ist daher nicht zu empfehlen. Die Einnahme über einen längeren Zeitraum hinweg kann außerdem mit organischen Schädigungen in Zusammenhang stehen. Sofern die Patienten von den möglichen Nebenwirkungen dieser Arzneimittel betroffen sind, macht sich dies häufig wie folgt bemerkbar:

  • Kopfschmerzen
  • Durchfall
  • Übelkeit
  • Schmerzen im Oberbauch
  • Abfall des Blutdrucks
  • Benommenheit

Sofern es zu solch einer Überempfindlichkeitsreaktion kommt, sollten die Patienten den zuständigen Arzt darauf hinweisen, um zu klären, ob es möglich ist, auf ein anderes Medikament zur Muskelentspannung umzusteigen. Bei der Einnahme von Muskelrelaxantien gilt es zudem die möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten im Hinterkopf zu behalten.

Da Medikamente, welche die Muskeln entspannen, häufig müde machen, ist es sinnvoll, diese am Abend einzunehmen. Außerdem wirkt sich die Einnahme dieser Arzneien negativ auf das Reaktionsvermögen aus. Dies kann beim Autofahren zum Problem werden. Im Anschluss an die Einnahme von Muskelrelaxantien sollten schwierige Arbeiten und Autofahrten daher lieber unterlassen werden.

Zusammenfassung

  • Bei Muskelrelaxantien handelt es sich um Medikamente, die eine Muskelentspannung herbeiführen.
  • Dies kann entweder passieren, indem sich diese Medikamente auf das zentrale Nervensystem auswirken oder die Reizübertragung im Bereich der motorischen Endplatte der Muskeln unterbinden.
  • Muskelrelaxantien kommen bei verschiedenen Operationen und in der Intensivmedizin (zum Beispiel bei intubierten) Patienten zum Einsatz.
  • Auch bei der Behandlung eines Bandscheibenvorfalls können Muskelrelaxantien verwendet werden, um die Muskelverspannungen, die aufgrund einer Schonhaltung entstanden sind, zu lindern.
  • Muskelrelaxantien können mit lebensbedrohlichen Nebenwirkungen und Organschädigungen einhergehen.
  • Aufgrund des relativ hohen Suchtpotenzials sollten Muskelrelaxantien am besten nur kurzfristig über einen Zeitraum von nicht mehr als zwei Wochen eingenommen werden.
  • Diese Medikamente stehen mit einer großen Müdigkeit und verminderten Reaktionsfähigkeit im Zusammenhang. Schwierige Arbeiten durchzuführen oder Auto zu fahren, ist im Anschluss an die Einnahme dieser Medikamente, die daher am besten abends erfolgen sollte, keine gute Idee.


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