Rückenmark

Das Rückenmark ist ein wichtiger Bestandteil des zentralen Nervensystems, zu dem auch das Gehirn gehört. Bei Erwachsenen verläuft das Rückenmark vom Schädel bis zum oberen Teil der Lendenwirbelsäule durch die Zwischenwirbellöcher. Bei Säuglingen und Kindern, die sich noch im Wachstum befinden, reicht das Rückenmark sogar tiefer. Allerdings wächst die Wirbelsäule bedeutend schneller als das Rückenmark, so dass das Rückenmark im Erwachsenenalter im oberen Bereich der Lendenwirbelsäule endet.

Bei dieser Bandscheibenvorfall Darstellung ist auch das Rückenmark deutlich zu erkennenAn das Rückenmark schließen die Spinalnerven an. Die Anlagen für diese Nerven sind bereits beim ungeborenen Kind im Mutterleib vorhanden. Ab der Lendenwirbelsäule sind es somit nur noch Nervenwurzeln und kein Rückenmark mehr, welches durch die erwachsene Wirbelsäule verläuft. Optisch erinnert dieses Nervengeflecht mit seinen zahlreichen Ästen an einen Pferdeschwanz. Daher ist in der Fachsprache der Begriff „Cauda equina“ gebräuchlich.

Innerhalb der Wirbelsäule verläuft das Rückenmark im Spinalkanal. Die Nervenfasern des Rückenmarks weisen einen segmentartigen Aufbau auf. Dabei wird zwischen dem Rückenmark im Bereich der Hals-, Brust-, Lendenwirbelsäule sowie das Kreuzbeins unterschieden:

  • Zervikalmark im Bereich des Halswirbelsäule mit den Segmenten C1 bis C8
  • Thorakalmark im Bereich der Brustwirbelsäule mit den Segmenten Th1 bis Th12
  • Lumbalmark (Lendenwirbelsäule) mit den Segmenten L1 bis L5
  • Sakralmark im Bereich des Kreuzbeins mit den Segmenten S1 bis S5

Auf das Kreuzbein folgt beim Menschen das Steißbein. Dort ist das Rückenmark nur noch rudimentär vorhanden. Dieser Teil des Rückenmarks wird als Kokzygealmark bezeichnet, während das zugehörige Segment die Abkürzung „Co1“ trägt. In der Zervikal- und Lumbalmarksregion ist das Rückenmark deutlich dicker, was auf die höhere Dichten an Nervenzellen in diesen Abschnitten zurückzuführen ist. An der Außenseite umgeben die Rückenmarkshäute das Rückenmark. Sie sind mit den Hirnhäuten des Gehirns vergleichbar. Die Rückenmarkshäute setzen sich aus einer harten, der Pachymeninx spinalis, und einer weichen Schicht, der Leptomeninx spinalis, zusammen.

Mögliche Schädigungen des Rückenmarks

Folgende Vorgänge können das Rückenmark schädigen:

  • Druck – zum Beispiel Tumore oder ein Bandscheibenvorfall, der auf das Rückenmark drückt
  • Durchtrennung – zum Beispiel durch einen Unfall, was dann zu einer Querschnittslähmung führt
  • Entzündungen
  • Durchblutungsstörungen
  • Degenerative Prozesse – zum Beispiel ausgelöst von Erkrankungen wie Multipler Sklerose

Sofern das Rückenmark durchtrennt wurde, gibt es laut dem heutigen Stand der Wissenschaft keine Möglichkeit, diese Schädigung rückgängig zu machen. Die irreparable Schädigung bedeutet demnach, dass die daraus resultierende Querschnittslähmung ebenfalls von lebenslanger Dauer ist. Allerdings wird intensiv daran geforscht, ob und wie die Wiederherstellung der Rückenmarksfunktion doch möglich gemacht werden könnte.

Untersuchungsmöglichkeiten im Bereich des Rückenmarks

Sofern vermutet wird, dass das zentrale Nervensystem an einer Erkrankung beteiligt ist, kann eine Rückenmarkspunktion im Bereich der Lendenwirbelsäule durchgeführt werden. Dabei wird die Flüssigkeit, das sogenannte Liquor, was das Rückenmark ähnlich wie die Hirnflüssigkeit umgibt, entnommen. Dies ist im Bereich der Lendenwirbelsäule überhaupt nur möglich, da das Rückenmark dort nicht als Strang verläuft, sondern sich die Spinalnerven dort verzweigen. Somit kann die Lumbalpunktion durchgeführt werden, ohne dass das Rückenmark dabei beschädigt wird. Folgende Gründe können für eine Lumbalpunktion sprechen:

  • Verdacht, dass eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems vorliegen könnte
  • Nachweis von Antikörpern
  • Nachweismöglichkeit von Tumorzellen
  • Verdacht eines zu hohen Liquordrucks, weshalb eine Druckmessung angeordnet wird
  • Verdacht einer Blut-Liquor-Schrankenstörung – Tumore, Entzündungen, elektromagnetische Strahlung sowie Hirninfarkte können zu einer Veränderung der Durchlässigkeit führen, so dass Bestandteile des Bluts, die eigentlich nicht in den Liquor gehören, dort vorzufinden sind
  • Verdacht auf eine Subarachnoidalblutung (eine spezielle Form eines Schlaganfalls)

Das Rückenmark selbst kann aufgrund seiner Lage nicht direkt untersucht werden. Schließlich verläuft dieser Teil des zentralen Nervensystems durch den knöchernen Wirbelkanal. Sofern ein Neurologe feststellen will, inwiefern es im Rahmen eines Bandscheibenvorfalls oder einer anderen Krankheit zu einer Beteiligung/ Schädigung des Rückenmarks gekommen ist, wird er daher verschiedene Reflexuntersuchungen durchführen. Insofern Eigenreflexe abgeschwächt oder gar nicht mehr funktionieren, liefert dies einen handfesten Anhaltspunkt, auf welcher Höhe das Rückenmark geschädigt ist.

Auch die Verteilung von Lähmungen und Gefühlsstörungen gibt Auskunft darüber, innerhalb welches Segments es zu Beeinträchtigungen des Rückenmarks gekommen ist. Eine EEG-Untersuchung ist ebenso möglich. Außerdem kann der zuständige Arzt ein CT oder MRT anordnen, da strukturelle Veränderungen dank dieser bildgebenden Verfahren sehr gut zu erkennen sind. Bei dem Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall wird solch ein Verfahren angeordnet, um das Ausmaß des Bandscheibenvorfalls einschätzen zu können. Bei einer Angiografie können die Gefäße radiologisch dargestellt werden. Sofern es zu Fehlbildungen des Rückenmarksblutgefäßsystems gekommen ist, können diese somit sichtbar gemacht werden.

Zusammenfassung

  • Das Rückenmark ist ein wichtiger Bestandteil des zentralen Nervensystems, zu dem auch das Gehirn gehört.
  • Bei Erwachsenen verläuft das Rückenmark vom Schädel bis zum oberen Teil der Lendenwirbelsäule durch die Zwischenwirbellöcher.
  • Bei Säuglingen und Kindern, die sich noch im Wachstum befinden, reicht das Rückenmark noch tiefer. Allerdings wächst die Wirbelsäule bedeutend schneller als das Rückenmark, so dass das Rückenmark im Erwachsenenalter im oberen Bereich der Lendenwirbelsäule endet.
  • An das Rückenmark schließen die Spinalnerven an. Dieses Nervengeflecht wird in der medizinischen Fachsprache als „Cauda equina“ bezeichnet.
  • An der Außenseite umgeben die Rückenmarkshäute das Rückenmark. Sie sind mit den Hirnhäuten des Gehirns vergleichbar und bestehen aus einer harten und einer weichen Schicht. Außerdem ist das Rückenmark von einer Flüssigkeit, dem Liquor, die mit der Hirnflüssigkeit vergleichbar ist, umgeben.
  • Eine Durchtrennung des Rückenmarks ist (bisher) irreparabel und führt zu einer Querschnittslähmung.
  • Das Rückenmark kann auch durch einen Bandscheibenvorfall, der diesen Teil des zentralen Nervensystems komprimiert, Schaden nehmen.


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