Bandscheibenvorfall, Harndrang & die Angst vor dem Kauda Syndrom

Ein herzliches „Hallo“ sende ich Dir! Heute scheint die Sonne, ich bin aktuell in Georgien und mir gehts es „bandscheibentechnisch“ recht gut. Warum? Weil ich mich nicht im Arbeitsalltag befinde. Sprich ich laufe hier den ganzen Tag rum, sitze wenig, mache morgens meine Übungen etc.

Vor 6 Wochen sah meine Bandscheiben-Welt allerdings noch ganz anders aus, da habe ich mal einen kurzen Abstecher in die Notaufnahme gemacht… aber fang ich ich mal ganz von vorne an.

Für die, die sich nicht die zig Berichte hier durchgelesen haben, ein kurzes Update zur „bisherigen Story“: Erster Bandscheibenvorfall vor 10 Jahren, massiver Vorfall, Jahre später sequestrierter Vorfall, OP dann vor 4 Jahren,  Jahre später an der selben Stelle erneuter großer Vorfall, wieder mit Druck auf Nerv, inkl. Narbenbildung wegen der OP. 

Soweit so schlecht. Damit habe ich bisher aber ganz gut gelebt. Bis dann vor 6 Wochen ein ominöser Harndrang einsetzte.

Bandscheibenvorfall & Harndrang – ein Warnzeichen?

Zu dieser Zeit, also vor 6 Wochen, hatte sich meine Bandscheiben-Situation wieder verschlechtert: Die Muskeln waren verhärtet, alles war steif, Laufen ging nicht so rund. Naja, kannte ich alles schon. Beruflich war viel los, das trägt auch immer zur Verschlechterung dabei.

An einem Tag begann dann allerdings ein ominöser Harndrang, den ich erst nicht so richtig zuordnen konnte. (ich hatte auch noch die Blasenentzündungen oder sonst was in der Richtung, war also komisch!) Den ersten Tag habe ich es auch ignoriert, wird schon nichts sein.
Aber natürlich habe ich Dank jahrelangen Bandscheibenvorfall mich auch immer etwas darauf konditioniert, SEHR genau, vielleicht sogar ZU GENAU in meinen Körper „zuhören“. Und so ließ mir diese leichte Harndrang dann auch keine Ruhe..

Und die Ruhe wurde weniger, bis mir wieder einfiel, was mal eine Physiotherapeuthen meinte: „Wenn irgendwas Entleerungsproblemen ist, also Harn und Stuhl, muss sofort operiert werden„.

Stimmt ja! Da war ja was.. die Bandscheibe kann ja auch auf diese Versorgungsnerven drücken, in seltenen Fällen, sehr seltenen Fällen. Aber nun ja, mit einem Bandscheibenvorfall in so frühen Jahren, der so schwer war, operiert wurde und danach erneut auftrat, zählte ich ja eh schon zu den seltenen Fällen. Ich weiß mittlerweile, das alles passieren kann, Statistik hin oder her.

Angst vor dem Kauda Syndrom

Ihr kannt das hier alle, die mit dem Bandscheibenvorfall zu tun haben: Es wird gegooglet! Fluch und Segen zugleich. Einerseits kann man sich gut informieren, andererseits völlig verrückt machen.

Nun hatte ich aktuell eine schlechte Bandscheiben-Phase und Harndrang. Damit landet man schnell beim Kauda Syndrom. Das Ding ist quasi die „Endstation beim Bandscheibenvorfall“ , dann hat man die Krankheit wirklich durchgespielt. Mir fehlten noch klassiche Symptome, die mehr darauf hingewiesen hätten, aber ich hatte halt leichte Symptome.

Das Problem: Wenn man bei einem solchen Syndrom zu lange wartet, können die Nerven dauerhaft beschädigt werden. Die Berichte von Menschen im Internet, die das mit dem Kauda Syndrom durch haben, versetzen einen dann definitiv in leichte Panik.

Also hatte ich erstmal bei „meinem“ Neurochirurgen angerufen. Normalerweise sind die Termine da ja immer im krassen Vorlauf zu buchen, aber als ich der Sprechstundenhilfe erwähnte, dass ich Harndrang hätte, meinte Sie, ich müsste recht schnell kommen und gab mir den nächst möglich Termin. Dieser war dann am Dienstag, angerufen hatte ich am Freitag.

Aha. Nun saß ich da und mir wurde bewusst, dass das doch etwas ernster sein KÖNNTE. Muss natürlich nicht sein, aber leider schwer sich das in so einer Situation einzureden..
Und dann noch die Gewissheit, dass man dauerhafte Schäden davontragen kann, wenn man nicht sofort reagiert. Ja, aber auf der anderen Seite wusste ich auch, die richtig krassen Symptome hatte ich nicht. Sprich die, die einen sofort ins Krankenhaus befördert hätten.

Nur weiß man auch: Alles ist möglich, manchmal äußern sich Krankheiten auch mit weniger Symptomen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt ja zB keine Nervenschmerzen, obwohl ich die laut meiner MRT Bilder haben müsste. Also Krankheiten müssen sich nicht immer so äußern, wie sie in den medizinischen Lehrwerken beschrieben werden.

Notaufnahme – paranoid oder ein nötiger Schritt?

Letztendlich habe ich mich mit viel Überlegungen dazu entschieden, in die Notaufnahme zu gehen um früher abklären zu lassen, was da los ist. Einerseits denkt man sich natürlich: „Ist das jetzt wirklich nötig? Übertreibe ich nicht?“ , auf der anderen Seite „Die Bandscheibe hat schon so sehr dein Leben kaputt gemacht. Was ist, wenn es wirklich dieses Kauda-Syndrom ist und ich dauerhafte Schäden habe, nur weil ich mich nicht sofort haben untersuchen lassen“. 

Ja, solche Gedanken hat man dann. Klar, wenn meine Beine dazu noch völlig taub gewesen wären, hätt‘ ich nicht lange überlegt, aber bei so diffusen Symptomen ist das ne andere Sache.  Ohne vorliegenden Bandscheibenvorfall hätte man mit Harndrang natürlich keine Notaufnahme aufgesucht 😉

In der Notaufnahme

Letztendlich wurde ich in der Notaufnahme untersucht, ich war in einem Krankenhaus mit Neurochriguie. Die Ärztin nahm mich ernst. Sie hat sich zuerst meine MRT Bilder von vor einem Jahr angeguckt, da hatte Sie dann auch gesehen, dass „es ordentlich ist, was ich da habe“ und ich auch mal zu deren Operations-Sprechstunde kommen sollte. Ja, danke, eine erneute OP will ich nun eigentlich nicht machen.

Es wurde ein CT gemacht (endlich mal wieder ordentlich Strahlung, hab ja in meinen 34 Lebensjahren ja noch nicht genug davon abbekommen), Restharnuntersuchung, war wohl soweit alles ok. Trotzdem: Eindeutig würde erst ein MRT die Bilder liefern, ob was nicht in Ordnung sein. Auf dem CT sieht man das ja kaum. Sie hatte mir auch angeboten, dass ich im Krankenhaus bliebe, dann könnte ich Montag zum MRT. Ähm, nein, danke.

Also gab’s für mich an diesem Freitag eine „halbe Entwarnung“, die wirkliche Gewissheit würde ich aber erst beim MRT haben, den ich dann bei meinem behandelnden Neurochirugen machen lassen würde.

Hinweis: Harndrang nimmt übrigens bie Nervosität und Fokussierung auf diesen zu. Hat die Sache nicht einfacher gemacht. Und natürlich merkt man auch die Bandscheibe deutlicher, wenn das ganze Nervensystem unter Anspannung steht.

 

MRT : Entwarnung eine Woche später

So, ich kürze ab: Dienstag Termin beim Neurochirurgen, ich bekam ein „Turbo-Termin“ beim MRT, da man das schnell klären müsse, sprich Donnerstag MRT, Freitag dann die Auswertung der MRT Bilder.

Die Bandscheibe lag noch an der Stelle wie vor einem Jahr. Kein Kauda-Syndrom. Das war eine Erleichterung. Leider ist auch nichts besser geworden, sprich der Vorfall ist nicht zurückgegangen. Eine EMG Untersuchung hatte ich auch gleich noch „mitgenommen“, die letzte ist ja einige Jahre her. Auch da ist zum Glück nichts katastrophal. Logischerweise ist die linke Seite angeschlagen, wegen Druck auf dem Nerv, aber alles im Rahme.

Der Harndrang war trotzdem noch da. Da hab ich mich also ne Woche lang verrückt gemacht. Diese Angst, die bei dem Bandscheibenvorfall immer vorhanden ist, ist schon enorm. Vor allem wenn neue Symptome auftreten, wenn es anfängt zu Schmerzen, geht mein Körper oft in Alarmbereitschaft. Ich kann nur jedem empfehlen, es mit Entspannungsverfahren zu probieren bzw. diese in den Alltag einzubauen. Diesmal hats bei mir auch nicht geholfen, aber vielleicht das nächste Mal 😉

Paranoid, Hypochonder? Nein.

Ein paar Wochen später, als die Situation verarbeitet war (glaubt mir, das nimmt einen ganz schön mit, auch wenn am Ende ja alles „ok“ war…trotzdem), frage ich mich natürlich, ob ich überreagiert habe? Etwas vielleicht. Nur das ist so mit der Angst. Rationales Denken setzt dann nun mal aus. Vor allem wenn man schon eine längere Krankheitsgeschichte hinter sich hat, ist es gar nicht so leicht, sich zu sagen „wird schon alles ok sein, denk positiv„, weil ähm ja, vieles bisher eben nicht so positiv war.

Ich denke jeder, der irgendwo im Körper vorbelastete Stellen hat, wird auf diese viel genauer blicken und entsprechend anderes / intensiver reagieren.
Vermutlich wird jemand, der mal ein Gehirntumor hatte, bei dauerhaft auftreten Kopfschmerzen, auch anders reagieren. Unsereins würde sich da nicht viel bei denken. Kopfschmerzen halt. Wird schon.

Und zum Thema Notaufnahme: Ich denke es ist angebracht, dass, wenn man bereits Schädigungen hat, diese einmal zu viel aufsucht als zu wenig. Da darf man sich selber auch gerne ernst nehmen, andere rennen zu Ärzten und in Krankenhäusern wegen viel weniger.

Was habe ich aus der Geschichte gelernt: Ich muss meinem Rücken mehr vertrauen und noch viel rückengerechter Leben. Ein Büroalltag, Stehtisch hin oder her, scheint mir für mein restlichen Berufsleben (paar Jahrzehnte sind es ja noch!) nicht mehr die geeignete Lösung zu sein.

Woher kam nun der Harndrang?

Dieser kann auch durch Verspannung ausgelöst werden, Bandscheiben-bedingt, ich war bie einer Osteopathen, dei wohl im Blasenbereich Verhärtungen gefühlt hat. Ja, und natürlich steigert die Nervosität dann noch den Harndrang.

Wie hättet ihr reagiert? Hättet ihr die Sache bei meiner Vorgeschichte lockerer gesehen oder ähnlich reagiert?

 


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